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ISSN 1214-8725
Èíslo/Roèník/Rok: 4/III/2006 - Autumn 2006

Zu Heideggers Auffassung des Logos (èlánek)

Autor: Anna Hogenová
Abstract: K Heideggerovì chápání logu. – Na rozdíl od obecnì pøijímaných významù a konotací slova logos nabízí fenomenologie hlubší vhled do intencionálního obsahu tohoto pojmu. Autorka se z tohoto úhlu pohledu zabývá ve své studii Heideggerovým chápáním logu, vycházejíc od Herakleita a dalších antických pramenù až k souèasné neménì aktuální potøebì porozumìní vlastnímu „porozumìní“, bytí pøi sobì, se sebou.

Schlüsselwörter: s Logos, s Ganze, r Sinn, e Fuge, s Sein

Klíèová slova: logos, celek, smysl, prasklina, bytí

(Pozn. ed.: Text byl napsán pro 6. mezinárodní fórum daseinsanalýzy, které v Praze ve dnech 26.–27. kvìtna 2006 poøádaly Pražská vysoká škola psychosociálních studií, Èeská daseinsanalytická spoleènost a Spoleènost fenomenologické filosofie a psychoterapie. Je vydán s laskavým svolením autorky.)

 

Wenn aber alle Logik aus dem menschlichen Bezug zu dem LOGOS herstammt und wenn „die Logik“ den Aufenthalt des neuzeitlichen Menschen innerhalb des Seienden beherrscht, dann müssen wir wohl eines Tages dem LOGOS ursprünglicher, und ursprünglicher als Heraklit, nachdenken, um uns in der Logik noch zurecht zu finden. M. Heidegger (1979: 344)

 

„Logos gehört“ zu den wichtigsten Begriffen der ganzen Philosophie. Heute wird dieses Wort übersetzt und man versteht es in vielen Konnotationsformen. Logos ist Wort, Sprache, Wissenschaft, Denken, Gericht, Urteil, Vernunft etc. Jeder hat die Tendenz, eine dieser vielen Bedeutungen zu absolutisieren. Aber es ist notwendig, auf den Stamm dieses Wortes einzugehen, nicht nur aus der ethymologischen und lexikalen Sicht, sondern auch tiefer aus der Sicht des intentionalen Inhalts dieses seltsamen Wortes. Dies ist in der Phänomenologie möglich. Dann zeigt sich uns das Wort in einer Reichhaltigkeit, die eine sehr einfache Intention verbirgt, und zwar eine Intention, die auf das Ganze zielt, die einfach ist, und zwar trotzdem, dass sie völlig alles erfasst, d. h. das Dasein selbst.

Damit kommt Heraklit, dann taucht es fast bei jedem namhaften Philosophen auf. Die Begrenzung dieses Begriffs ändert sich und mit dieser Änderung ändern sich auch die tragenden ontologischen und gnoseologischen Ausgangspunkte des Denkens über sich selbst sowie über die Welt. Damit ändert sich natürlich auch die Beziehung zur Menschenseele, es ändert sich die ganze psychologische Thematik. Heidegger erkannte diese Änderungen vielleicht am besten, und dies ist auch der Inhalt der folgenden Überlegungen.

Eine travestierte Form, „verkleidete“ Form findet man beim Freudschen Traum, behauptete Zdenìk Neubauer in seinem Vortrag, den er am 21. 6. 1994 im Blauen Hörsaal der Karlsuniversität in der Celetná-Straße gehalten hat. Hier öffnet sich der Raum, in dem der Sinn in eine Form erfasst wird und der Möglichkeit, verstanden zu werden, angeboten wird. „Legein“ bedeutet dasselbe wie „zusammenbringen“, wie uns aus Heideggers „Heraklit“ bekannt ist (Heidegger 1979: 148). Dasselbe Wort (LEGEIN) bedeutet „zusammentragen“ (Prach 1998).

Der Traum bringt das in unserem Leben Wesentliche zusammen, deswegen kann man dieses Wesentliche aus dem Traumraum verstehen. Es geht eigentlich darum, in jedem Moment allein bei sich zu sein, um keine gespaltenen Wesen, keine dissipativen Einzelmenschen zu sein, die sich selbst nicht verstehen und die sich selbst fürchten. Das meinte vielleicht Sokrates, als er im Dialog Gorgias behauptete: „Ich meine doch, mein Lieber, nicht, dass es besser wäre, wenn meine Lyra verstimmt wäre und falsch klingen würde und wenn der Chor, den ich leiten würde, falsch singen würde und dass es besser wäre, wenn die ganze Welt mir nicht zustimmen würde und gegensätzliche Sachen sagen würde, als dass ich selbst mit mir in Disharmonie wäre und mir selbst widersprechen würde.“ (Platon 1944: 67)

Was bedeutet das für die Seele des Menschen? Das bedeutet das Einzige, mit sich selbst im Logos, im ursprünglichen Heraklits Logos zu sein, in dem die Gegensätze gleichzeitig gegensätzlich sind, und aus dem Grund zwischen ihnen eine „Fuge“ ist, die weder im Raum, noch in der Zeit nicht ist, und aus dem Grund ist es die Grundlage des ursprünglichsten Zusammenbringens, Verbindens, es ist die Grundlage der ursprünglichsten Einheit, die diese Welt zusammen hält und den Kräften des Chaos und der allgemeinen Dissipation widerspricht. „Bei sich zu sein“, bei sich selbst in der Einheit, in der ursprünglichen Einheit, d. h. in der Einheit außerhalb des Raums und der Zeit zu sein, bedeutet authentisch zu existieren, authentisch zu sein und zu verweilen. Um das Einzige kümmern sich alle Psychotherapeuten, Priester, Lehrer, Eltern, Freunde und Liebende. Wie einfach!

Am Anfang des Buchs „Die Grundbegriffe der Metaphysik“ erwähnt Heidegger sehr bedeutende Worte Heraklits und sagt: „…SÓFRONEIN ARETÉ MEGISTÉ ALÉTHEIA LEGEIN KAI POEIN KATA FYSIN EPAIONTAS,“ und übersetzt sie: „Das Höchste, dessen der Mensch mächtig ist, ist das Sichbesinnen auf das Ganze, und die Weisheit Besonnenheit ist, das Unverborgene als Unverborgene zu sagen und zu tun gemäß den Walten der Dinge, auf sie hinhorchend.“ (Heidegger 1983: 42) Beim Ganzen zu sein und das Unverborgene als Unverborgene sagen zu können, dasselbe mit seinen Taten zu leisten, der Macht der Dinge, auf die wir gestimmt sind, zuzuhören – das ist die Aufgabe des Menschen, das ist das überhaupt Höchste. Und dies ist Logos, das ist das echte Sichbesinnen, das ist das echte „legein“.

Das Höchste ist das Sichbesinnen auf die Welt und die Dinge, aber in einer solchen Form, die die Welt selbst und die Dinge verlangen. Dies ist Logos. Die Art dieses Sichbesinnens muss der Natur der Dinge (KATA FYSIS) entsprechen. D. h., wenn der Psychotherapeut seinem Klienten helfen will, muss er „seine Sprache“ sprechen, er muss sich ihm auf seine Art des Nahekommens nähern. So, wie es Salomo in der Bibel erläutert, „mit einem Narren sprich entsprechend seiner Narrheit!“ Warum ist es dem so? Weil die Verflochtenheit mit sich selbst nur im Modus der Natürlichkeit möglich ist, die Verflochtenheit mit einem anderen nur im Modus seiner Natürlichkeit möglich ist. Der beste Modus dieser Verflochtenheit ist die Liebe; die ist aus dieser Sicht ein wirkliches Wunder, das sich „hinter der Sehkraft“ verbirgt, wie die tschechische Sprache schön zeigt. Logos ist die Einheit, und zwar eine einfache Einheit, die aus den gleichzeitig gegeneinander gestellten Widersprüchen entsteht.

Diese Einfachheit ist nicht verschwunden, das Sichbesinnen ist heutzutage durch die Logik ersetzt, die Zuordnung, Funktionalisierung, Addition, Summe, Klasse von Elementen usw. ist. Dieses „Logos“ ist Logik, d. h. eine Folge von formal erfassbaren Beziehungen, mechanisch gegründeten logischen Figuren, es ist eine Ausbreitung in einer Zeitreihe, während das ursprüngliche Logos in der Gegenwart konstituiert wird, nicht nacheinander, sukzessiv. Der Aristotelische Logos im Sylogismus ist eine Verflechtung in die Einheit von Prämissionen. Hier zeigt sich schon der Anfang der Verwandlung des Logos in Logik – in Mechanik der Vereinheitlichung, in Mechanik des Sichbesinnens. Es ist nicht mehr das Feuer, in dem die Unverborgenheit der Flammen parallel vom Verbergen des Holzes, aus dem die Flammen entstehen, begleitet wird. Zwischen diesen Gegensätzen der Unverborgenheit und Verborgenheit gibt es eine Fuge, die man keinem Raum in keiner Zeit zuordnen kann. Hier muss man sich dessen bewusst werden, dass unsere Seele imstande ist, auch daran zu denken, was nicht vor-stellbar ist, also daran, was nicht Cartesianisch ist.

Bei Husserl erfährt man, dass die Noesis adäquate Noemata in sich im Voraus festgelegt trägt. Diese Verflechtung ist ein Bespiel des ursprünglichen „legein“, des ursprünglichen Logos. Bei Platon begegnet man den Kreisen der Unterschiedlichkeit und Identität. Die Identitätskreise verbinden die am meisten entfernten Welten mit unserer Kleinigkeit, mit unserer eigenen Seele. Deswegen ist die menschliche Seele Bestandteil auch der kosmischen, weltweiten, wie darüber Plotinos später schrieb. Den Boden der Seele finden wir nicht, auch wenn wir durch die Welt ziehen würden, behauptet Heraklit. Die Seele ist irgendwie alles, sagt Aristoteles. Das alles ist allzu viel bekannt! Aber diese bekannten philosophischen Gedanken zeugen von dem Einzigen, dem Sichbesinnen, dem logos, dem Logos. Der Mensch verfügt über etwas, was ihn in eine einfache Einheit mit dem Ganzen der Welt bringen kann. Aus dem Grund spricht Patoèka von arete als etwas Vereinigendes: „ARETÉ ist keine privat individuelle Tugend, es ist etwas fest Bestimmtes, was in sich ändernden konkreten Situationen passiert, es sind die Bemühungen des Menschen um die Besichtigung des Ganzen, das in eine konkrete Lage situiert wurde.“ (Patoèka 1996: 33)

Das Ganze ist das wichtigste Wort im Bereich „legein“. Wie sehr gefährlich ist das Kleben am Partialen! Wie sehr schicksalhaft ist diese Verletzung des logos. Erinnern wir uns nur an die Fachlichkeit und ihre Folgen für die Entstehung von Ideologien, die unkritisierbar und gegenüber jedwedem Anzeichen von Missstimmung immun sind. Dazu könnte Patoèka z. B. folgendes hinzufügen: „Darüber, ob in einer popularisierenden Schrift ein ausführliches Kapitel über die Datierung der Dialoge notwendig ist, können verschiedene Meinungen herrschen; meine eigene Meinung ist, dass es die Sache der Experten ist, die imstande ist in einem populären Buch das Interesse nur zu reduzieren, dies ist nicht die Rede über Platon, sondern über die Klugheit der klassischen Philologen.“ (Patoèka 1996: 33)

Das Ganze kann man auch dorthin finden, wo man es gar nicht suchen würde. Der Schlaf ist nämlich eine besondere Weise, wie wir uns in der Gegenwart befinden. „Was schläft, das ist in eigentümlicher Weise abwesend und doch da,“ behauptet Heidegger (1983: 91). Der Schlaf ist „die Abwesung“, d. h. der gleichzeitige Gegenteil der Anwesung. Zusammen bilden sie gleichzeitige gegeneinander gestellte „Teile des Feuers“, das Leben heißt.

Das Aristotelische Gesetz des ausgeschlossenen Dritten vernichtete die gleichzeitige Gegensätzlichkeit, die Heraklit im Feuer findet. Und so bildete sich die Logik vom ursprünglichen logos. Das Leben ist stärker als der Tod, weil sterben kann nur das, was vorher lebte, die Bewegung ist stärker als Ruhe, weil in der Ruhe nur das sein kann, was vorher in der Bewegung war, das Übel ist nur dort, wo vorher das Gute war. Der Felsen kann nicht tot sein, er lebte nie, die Stille kann nicht in Ruhe sein, sie bewegte sich nie, das schlimme Verhalten beim Menschen ist nur auf dem Hintergrund des Guten deutlich, etc. Der Schlaf ist eine Privation der Bewegung, aus dem Grund ist der Schlaf „AKINÉSIS“.

Die Entdeckung der Privation wird Platon zugesprochen, aber implizit ist diese Entdeckung in Heraklits Denken enthalten. Dieser Typ der Gegensätzlichkeit wurde in der Aristotelischen Tradition nur auf beigeordnete Gegensätze des logischen Typs niveliert, die sich im gegebenen Augenblick ausschließen, und hier brach logos zusammen, änderte sich nur in die Logik, in die Mechanik des Urteilens. Ohne diese Mechanik des Urteilens hätten wir viele Probleme, aber nur mit dieser Mechanik haben wir sie auch. Artemis bringt das Licht, aber damit gleichzeitig auch die Finsternis, deswegen ist sie die Göttin des Wachstums, des Sprießens, der fysis (FYSIS). Dieser Streit zwischen den Gegensätzen, die gleichzeitig gegensätzlich sind, heißt eris (ERIS).

Diesen Streit meinten auch Heraklit und Heidegger. Sie meinen nicht den Krieg, den wir aus der neuzeitigen Geschichte kennen. Dieser logos bindet alles zusammen, es hält in einer einfachen Einheit. Deswegen haben diejenigen Fehler gemacht, die Heidegger als Philosophen verurteilten, der den Krieg propagieren würde. Es ging dort um etwas anderes, und nur die leere mechanische Logik kann den reichhaltigen Sinn der gegebenen Gültigkeit leeren. Dies passierte schon vielmals und fast immer mit tragischen Momenten. Logos ist eines der mächtigsten Phänomene der Philosophie von Anfang an. „Nicht einmal der Kampf und der Krieg reichen aus um den Inhalt des hier genannten Streits – eris auszufüllen.“ (Heidegger 1979: 26)

Logos ist das Sichbesinnen, dessen Resultat die Einfachheit, nicht die Kompliziertheit ist. Ein Kristall, ein Metallkristall ist am Ende dieses ursprünglichen Sichbesinnens. Diese einfache Einheit ist für unser persönliches psychisches Leben am wichtigsten. Man kann nicht in der Dissipation komplizierter Beziehungen leben, dann geraten wir ins Netz ähnlich wie eine Fliege ins Spinnennetz. Die Kompliziertheit ist eine Falle, der Mensch braucht dringend Einfachheit. Warum? Da er eine reine Freude braucht, um „bei sich zu sein“, um über sein Dasein zu wissen, um sich nicht immer wieder davon überzeugen zu müssen, dass er „existiert“. Ein gesunder Mensch ist Einfachheit, die sich selbst in die Welt bringt.

Der gegenwärtige Mensch braucht dringend Einfachheit. Der Bergkristall ist durchsichtig, präzise, begrenzt, komplett, alles kann man durch ihn sehen, und trotzdem bleibt er derselbe. Aus dem Grund kann Heidegger behaupten: „Die Originalität des Denkers entsteht dort, wo dasselbe in der höchsten Reinheit gedacht wird. Dieses Dasselbe wurde früher schon vielmals gedacht.“ (Heidegger 1979: 42) Genauso wie das Wort eine endlose Menge von Trägern der gegebenen Bedeutungen zusammenbringt, ist die menschliche Seele irgendwie alles, wie wir es von Aristoteles kennen.

Auch aus dem Grund, „steht das Wort des Anfangsdenkers unter dem Schutz der Göttin, die Rede des Anfangsdenkers hat die Noblesse des Anfangs in sich.“ (Heidegger 1979: 31) „Nur das, was wahrhaftig gedacht wird, kann das Glück haben, dass es immer besser und besser verstanden wird,“ sagt Heidegger (1979: 64). Wir fügen nur hinzu, besser und genauer etwas, was bereits hundertmal gedacht wurde, zu denken, ist nur und nur ein Beweis des alles durchdringenden Logos, des Logos mit dem großen Buchstaben am Anfang. Eben den logos unseres inneren psychischen Wesens, das Sichbesinnen von sich selbst, das meinte Sokrates in Gorgias (1944: 67) und genau darum bemüht sich jeder Psychotherapeut, wenn er seinem Klienten hilft. Aus dem Klienten wieder ein einfaches Wesen zu machen, das sich selbst verstehen wird und „bei sich selbst sein“ kann. Dies ist die Aufgabe des Psychotherapeuten. Es geht also nur um logos im ursprünglichen Sinn, es geht nicht um eine Folge von logischen oder dialektischen Operationen.

Logos in der menschlichen Seele ist nicht etwas Fertiges, sondern eine ständige Entstehung, ein ständiges Hervorgehen, ein ständiges Emportreten (ZÉN bedeutet in die Offenheit zu treten). Deswegen ist Heidegger davon überzeugt, dass „TO ZÓON kein Tier oder kein lebendiges Wesen in einem unbestimmten Sinn ist, sondern ZÓÉ bedeutet; das, was von sich selbst ausgeht und in diesem Ausgehen gegründet wird.“ (Heidegger 1979: 108) Deswegen ist die Seele eine Bewegung, eine ständige Bewegung und erst in dieser Bewegung wird etwas geboren, geschieht etwas. Das Sichbesinnen („legein“) ist die ständige menschliche Aufgabe. Es ist dem nicht so, dass wir den eigenen logos ein einziges Mal konstituieren und alles für das ganze Leben damit gelöst haben. Der Mensch wird sein ganzes Leben lang er selbst. Deswegen ist die Pflege der Seele seine Grundaufgabe und sein Lebensziel.

Zu einem festen Kristall zu werden, deren Festigkeit in der Einfachheit gegründet ist, dies ist die Aufgabe für das ständige Sichbesinnen in den logos. Gefährlich ist die Dissipation – die Zerstreutheit. Dieser Stand nimmt uns uns selbst, ohne dass wir davon ausdrücklich wissen. Das Ausgehen von Bewegungsfiguren aus unserem Körper in die Welt ist immer auch das Sichbesinnen nach innen, immer gibt es hier die Bildung des logos, der dem Feuer ähnlich ist. Die parallel passierenden Gegensätze gründen den logos des Feuers, auch unserer eigenen Psychik.

Der Bogen, der vom Menschen ausgeht und in der Welt und hinter ihr endet, heißt Intentionalität. Heidegger spricht von einer Intention „zur-Welt-sein“ und meint dabei dasselbe, was Husserl als eine Einheit der Qualität und der Materie des intentionalen Aktes bezeichnete. Es geht hier nur und nur um noetisch-noematische Einheiten der intentionalen Verflechtung (logos) des Menschen und der Welt. Dies ist der ursprüngliche logos. Dies ist auch das Bild von Heraklits Pfeilbogen, in dem die Erde die Bogensehne, der Himmel der Bogen und der Mensch das Pfeil sind; der Mensch verbindet im Sinne („legein“) die Erde und den Himmel als ein kleines Andenken an die „Hochzeit der Erde und des Himmels“, d. h. Hieros gamos.

Und dies ist eben dieser logos, auf den sich der Psychotherapeut konzentriert. Er will diese Verbindung seines Klienten mit der Welt, mit den Menschen oder mit der Transzendenz, phänomenologisch gesagt, erwecken. Für die Seele zu sorgen ist nichts anderes als die Pflege dieses logos, denn was bedeutet das, wenn wir über Probleme in der Kommunikation sprechen? Das ist nichts anderes als die Destruktion des ursprünglichen logos. „Aufgenommen zu sein“ ist dasselbe, was das lateinische „communio“, das Zerreißen dieser „Nabelschnur“-Intentionalität ist die phänomenologische Grundlage dessen, was man in der Wissenschaft Krankheiten psychischer Art nennt. Die Verbindung mit der Welt anzuknüpfen ist schwer. Der Psychotherapeut hat eine sehr schwere Aufgabe vor sich. Heidegger könnte diese Worte dazu hinzufügen: „Dieses Nicht – nennen der aller Entgegen zugrunde wesentlichen Verbergung ist ein Ausbleiben und Fehlen des Aussprechens, in dem vielleicht das innerste Geheimnis des Grundwesens des griechischen Denkens sich verbirgt.“ (Heidegger 1979: 365) Das Zeugnis des logos ist die Sprache, die Sprache ist die Verflechtung mit der Welt und der Transzendenz, deswegen ist der Mensch „ZÓON LOGON ECHON“ (ein sprechendes und lauschendes Lebewesen).

Protentionen, die aus den Retentionen entstehen und das Dasein (das Sein hier und da), sind die Grundlage für das Begreifen dieses logos. Das Dasein öffnet Möglichkeiten, indem es sie von vorne hervorruft, deswegen ist der Mensch lauschend. Aber es ist notwendig, sich dessen bewusst zu werden, dass das Dasein eben die Möglichkeiten hervorruft, die in den Protentionen im Voraus festgelegt sind. Und so besteht Husserls und Heideggers Philosophie auch im logos, in der Verflechtung. „Nur Verschiedenes kann gleich sein,“ (Heidegger 1979: 250) das ist die Grundbedingung für die Möglichkeit des Sichbesinnens, für die Möglichkeit „legein“. Die Gleichheit hat den Sinn nur in der Verschiedenheit, sonst könnte dieses Wort nicht einmal entstehen, es würde das grundlegende ontische und ontologische „warum?“ fehlen. Die Ähren auf dem Feld sammeln, und zwar so, dass wir sie von ihrem Grundboden heben, ihre Existenz auf eine höhere ontische und ontologische Gültigkeit, d. h. in Garben, erheben, die Trauben von den Weinsträuchern pflücken und sie in die Körbe legen, das Holz im Wald sammeln, und es in Bündel binden, wo das, was gesammelt wurde, gleichzeitig vom Grundboden abgerissen und in ein höheres ontisches und ontologisches Statut gelegt wurde. Hier ist es angebracht, über den ontologischen Komparativ zu sprechen.

„Legein“ ist nicht nur eine Summe gesammelter Sachen, deswegen kann Heidegger wiederholt behaupten: „Die Sammlung ist nicht das bloße dazukommende Zusammenbringen, sondern die ursprüngliche Gesammeltheit des Aufzubewahrenden meint, aus der alles Sammeln entspringt und in der es gehalten bleibt.“ (Heidegger 1979: 269)

Logos ist die ursprüngliche Einheit, erst dann ist es möglich, diese Einheit irgendwie zu zerbröckeln. Deswegen ist die Rückkehr zum logos keine Synthese, sondern eine Entdeckung und ein Fund dessen, was als das Frühere die Zersplitterung und Dissipation ermöglicht. Aus dem Grund ist die Seele nur durch Einsicht erkennbar, nicht durch das Zusammentragen einzelner Erkenntnisse. Trotzdem ermöglichen jedoch einzelne Erkenntnisse diese Einsicht und es ist eigentlich nicht möglich, ohne Einzelheiten ein Ganzes zu erreichen. Diese Einzelheiten sind jedoch hier nur und nur deswegen gut, weil sie die Erkenntnis präzisieren und damit sie zur Einsicht näher bringen. „Bei uns hat es geschnappt“ – das ist die richtige Wortverbindung! Erst in diesen Zusammenhängen gewinnt das Wort „Verfügung“ den Sinn.

Dieses Wort wird mit Hilfe des Wortes die Fuge gebildet. Die Fuge ist das, was die Sachen im logos verbindet, es geht nicht um eine Berührung, um Addition. Diese Fuge ist die Ursprünglichkeit, um die es im logos geht. Diese Fuge ist zwischen dem Emporkommen der Flammen und dem Verschwinden des brennenden Holzes. Diese Fuge ist zwischen der „Anwesung“ und der „Abwesung“. Eben diese Fuge kann nicht logisch fixiert und mit dem Willen gesteuert werden. Diese ursprüngliche Verflechtung ist das Grundlegende in der Pflege der Seele, deswegen kann Heidegger behaupten, dass das „Wesen des Menschen ein solches Lesen ist“ (Heidegger 1979: 280). Das Wesen des Menschen ist das Sichbesinnen, es ist logos, es ist die Vereinigung im Sinne eines immer höheren ontologischen Statuts der entstandenen Einheit. Der Mensch „räumt“ irgendwie die Vielfältigkeit „auf“ und schafft die Einfachheit.

So negentropisch besinnt sich der Mensch in der Sprache, und zwar mit sich selbst, aber auch mit der Welt als einem Ganzen. Wenn sein Dasein auf den Menschen Ansprüche ständig im Sinne von „legein“ stellt, dann kann ein Problem entstehen. Alles rundherum stürzt sich auf den einzelnen Menschen, ohne dass er selbst es verstehen kann, ohne dass er imstande wäre, es in eine Einfachheit mit einer höheren ontologischen Gültigkeit „aufzuräumen“. Der gegebene Mensch „schaltet“ sein Sichbesinnen einfach „aus“, er kann nicht. Dann kommt er zum Psychotherapeuten, und zwar in dem besseren Fall. Alles stürzt sich auf ihn, und er hört auf, diese erschreckende Erscheinung zu verstehen.

Philosophisch gesagt, logos findet nicht statt! „Legein“ des Menschen hat die Form Homo „legein“ (HOMOLEGEIN), d. h. wir erkennen es an seiner Sprache. Die Sprache ist am meisten logos, weil sich darin das Sichbesinnen am meisten, am klarsten und entschlossen abspielt. Jedes Wort stellt Tausende von Dennotaten seiner Bedeutung dar, so wie jedes Wort „Baum“ eine unzählige Menge von wirklichen einzelnen Bäumen darstellt. Jeder Satz ist dank dem Prädikat das Sichbesinnen des Sinns. Alle Sätze, gesprochen oder geschrieben, stellen eine einfache Intention des Sinns dar, durch den sich der Sinn des Lebens des gegebenen Menschen verwirklicht. Mit der Sprache können wir nicht nur zu den Gegenständen, sondern auch hinter sie, in die Transzendenz. Logos ist tief, sagt Heidegger: „LOGOS ist BATHYS.“ (Heidegger 1979: 282) Er ist genauso tief wie Heraklits Seele, deren Grund nicht zu finden ist, die Seele ist irgendwie alles, wie wir von Aristoteles wissen.

„In situ“ (in der Lage) sein, bedeutet immer in etwas zu sein, was nie vollendet ist. Und eben diese Unvollendheit der Lage, deren wesentliche Unmöglichkeit der Vereinigung, ist der Umstand, von dem immer ein bestimmtes Angstgefühl ausgeht, und zwar für jeden Menschen auf der Welt. Eben dieser Augenblick des Daseins ist das, warum die Religion so notwendig ist. Im Spiel ist immer Chaos, ein gewisses apeiron, es gibt hier immer etwas, was eingreift, beunruhigt, dissipiert. Eben dafür, für diese Tatsache ist hier die rettende Macht der Sprache, die wie eine verlängerte Hand bis in die Transzendenz greift, wo sich die Götter verbergen, wo es möglich ist, transzendent zu sein. Seine Sprache ist das Haus des Seins, die Worte gehen weiter, hinter die Grenze des Seins im Raum und in der Zeit. Die Zeit kann man nicht von ihr selbst begreifen. „Unter der Lampe ist es immer dunkel,“ deswegen ist es notwendig, auf die Heideggersche Weise zum Anfang im Sinne von „Seyn“ zu gelangen. Konjugieren bedeutet eigentlich beenden, deswegen sagt man „terminieren und determinieren etc.“

Die deskriptive Wissenschaft mit der methodologischen Reinheit reicht in dieser Hinsicht nicht. Es ist notwendig über ihre Grenzen hinaus im freien und wesentlichen Fragestellen zu gehen, das die Religiosität des Denkens ist. Wenn wir dem Menschen bei der Dissipation seiner eigenen Existenz helfen wollen, dann ist es notwendig, ihn in seinen eigenen logos zu führen, in den logos, der nur ihm selbst eigen ist. Deswegen ist es notwendig, ihn mit der Pflege seiner Seele, d. h. mit dem Gespräch zum Sichbesinnen zu führen, das jedoch keine Lieferung eines Fertigproduktes in der Form einer Tablette, sondern ein Akt des tiefen Selbstfindens im Sinne von „GNÓTHI SEAUTON“ ist, und dies ist das Wesen von Epimelei.

Logos besinnt sicht von der Tiefe, in der die Grenze zwischen dem Gegenwärtigen, dem Vergangenen und dem Künftigen verschwindet. Hier wird das gesucht, was wahr ist, was konstituierend ist, was wurzelt. Die Verwandlung der Seele in die Substanz und das Subjekt „schnitt“ die Möglichkeiten dieses Besinnens aus der Tiefe ab. Die Seele wurde zum Zwinger, in dem man kognitive Fähigkeiten – Emotionen, Gedächtnis und den Willen – finden kann. Alles wollen wir unter unsere Kontrolle bringen, weil uns um die Sicherheit des Erkannten geht, nicht des wirklich ursprünglichen Besinnens. Während sich die Seele bei Descartes in Substanz verwandelte, bei Leibniz ist jede Monade ein Subjekt.

Dieses Subjekt der Monade bekommt von der Monade aller Monaden appetitus (conatus), d. h. letzten Endes den Willen, der die Apperzeption des Subjekts steuert. Da einige Monaden nur wenig von diesem „Willen“ bekamen, erscheint sie uns als eine teilnahmslose Masse, Materie. In einer so aufgefassten Seele können wir nur mechanische Beziehungen beschreiben. Während die lateinisch-römische Kultur aus der sich besinnenden Seele eine Substanz machte, machte die Neuzeit daraus ein Subjekt, das sich langsam objektiviert und dessen Funktionalität beschrieben wird. Aber die Funktion „verwandelt sich sehr langsam mit Taubenschritten in eine Kraft, “ und diese zeigt sich nur im Effekt. Der Effekt stellt sich dem philosophischen Publikum der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und vor allem im 20. Jahrhundert als eine Leistung vor. Und wir haben hier die Leistungsgesellschaft, in der wir unsere einzigartigen Leben leben.

Logos ändert sich im Sinne des Besinnens aus der Tiefe, er ändert sich in die Logik, in die Reihenfolge einzelner kontrollierbarer Operationen. Schließlich „blüht“ diese Reihenfolge von Operationen in ein binäres System unserer Computerprogramme „auf“. Eben das Programm ist das Bild der Reihenfolge, einer kontrollierbaren und falsifizierbaren Reihenfolge. Wohin verschwand das Sichbesinnen aus der Tiefe? Ist es überhaupt erlaubt? Ist diese Frage zufälligerweise nicht allzu sehr mutig?

Der Mensch begegnet das Seiende im Licht des Seins. Es kann nicht gesagt werden, was zwischen dem Seienden und Sein ist. Heidegger spricht von einer Fuge, aber diese kann man sich nicht als eine Beziehung des Gegensatzes oder anders vorstellen. Diese Fuge ist chórismós, und chórismós ist in jedem logos, in jedem „legein“ enthalten, in dem der ontologische Komparativ deutlich ist. Das Sichbesinnen als logos hat immer diese Fuge in sich, und diese kann man nicht mechanisch oder nur logisch als eine Beziehung, einen Gegensatz, einen logischen oder dialektischen Unterschied erfassen. Dies ist der Grundunterschied zwischen Hegels Dialektik und Heideggers „legein“.

„Das reale Sein überschreitet sich selbst, und zwar so, dass es erscheint, und dies ist die Erfahrung der Seele,“ (Patoèka 1988: 235) der Ort des Besinnens ist die Seele, sie ist der Ort des logos. Die Erscheinungen sind zweideutig, sie zeigen auf sich selbst, aber auch auf den Hintergrund, auf dem diese Erscheinungen geschehen. Zwischen dem Seienden und des Seins ist chórismós, der mit den Vorstellungen nicht zu erfassen ist wie eine logisch erfassbare Beziehung. Deswegen muss der Soldat im Graben den Verlust des Anderen in der Erschütterung der Erde erleben, deswegen muss derjenige, der aus Platons Höhle hinaus kriecht, etwas Ursprünglicheres überwinden, als es die Möglichkeit des eigenen Todes ist, deswegen sagt Patoèka, „dass der Tod zum Vehikel für unser Verstehen des Seins werden muss.“ (Patoèka 1988: 235) Es ist schwierig die Erscheinungen der so genannten „realen Welt“ als zweierlei Hinweise zu sehen, aber eben dieses Sehen ist die Grundlage des so genannten „Logos“ mit dem großen Anfangsbuchstaben.

Das ursprüngliche „legein“ ist das Band zwischen dem Seienden und des Seins. Das Seiende in der Lichtung des Seins zu erblicken, jedoch die Beziehung zwischen dem Seienden und des Seins ist nicht auf eine einfache Weise denkbar. Im Spiel ist hier chórismós, und dieser stellt uns eine besondere Art von „legein“ (Sichbesinnen) vor. Jede Reduktion dieses Sichbesinnens auf eine logisch definierbare Beziehung bedeutet einen Fehler. Denn das Sein ist von allem abgetrennt (ab-solutum) und eben diese Trennung zu denken ist sehr schwierig, aber trotzdem ist der Mensch ein Wesen, das sich auf das Sein einstimmen kann. Die Einstimmung auf unser Dasein ist etwas Ähnliches und gleichzeitig etwas ganz anderes. Die Erscheinungen zeigen sich, und dies ist der Weg zum Sein. Es dauerte länger als zwei Tausend Jahre, bevor der Mensch die Einfachheit bemerkte, nämlich die erscheinenden Erscheinungen müssen von etwas erscheinen. Das Erscheinen kann man nicht als eine endgültige Gegebenheit und Gültigkeit begreifen, ein solches Denken bedeutet nur Blindheit.

Aus dem Grund besteht das Wunder aller Wunder darin, dass sich die Sachen zeigen, ihre noetischen „Gültigkeiten im Voraus“ öffnen den Weg zum Sein und gleichzeitig auch zum Dasein. Wenn sich der Mensch komisch verhält, ist es deswegen, dass eines seiner persönlichen Dasein in ihm dieses Verhalten als seine wesentliche Möglichkeit öffnet. Sogar als seine einzige Möglichkeit. Diese Art des Zeigens zu begreifen, ist nichts anderes, als in sein persönliches Dasein zu gehen und darin die Wurzel der Notwendigkeit seiner Reaktionen zu finden, d. h. es ist das Einzige notwendig, in seine noetische „Gültigkeit im Voraus“ rein zu treten, die sich in seinem persönlichen Dasein verbirgt. Nichts anderes.

Eine große und nicht aussprechbare Dankbarkeit gegenüber dem zu fühlen, was die Erscheinung der Dasein ermöglicht, das ist die Grundlage von „Thaumadzein“ (Verwunderung), dies ist die Heiligkeit der Anfänge, dies ist das Gute des Platonschen Typs. Aber diese Begegnung ist nichts Kompliziertes, Schwieriges, dies hat nicht die Form einer allmählichen Folge von verifizierten Schritten, dieses Erlebnis ist eine Einfachheit von einer solchen Intensität, dass sie nicht größer sein kann. Diese Einfachheit ist nicht zu steigern, d. h. sie ist vollkommen, und dies ist logos in seiner Ursprünglichkeit. Aber wie ist es mitzuteilen, um keinen Anstoß zu erregen? Denn diese Dankbarkeit ist auch in der Approximation der Bescherung am Tag der Geburt Jesu, und nicht nur hier enthalten! Patoèka könnte dazu nur Folgendes sagen: „Dass diese Unvergänglichkeit des Seins mit dem Guten in untrennbarer Verbindung steht, da ja das Wahre ohne das Gute gar nicht möglich ist, ….“ (Patoèka 1988: 237)

Logos ist gleichzeitig eine gegensätzlich konstituierte Fuge, die als chórismós eigentlich verstanden wird. Deswegen ist es notwendig, sich dessen bewusst zu werden, dass nicht jede Gegensätzlichkeit dieser logos ist. Heidegger ist sich dessen sehr gut bewusst und distanziert sich von der Vereinfachung im Sinne der Identität des Kampfes und des logos. Er korrigiert die Interpretation von Heraklits POLEMOS. Polemos ist Heidegger zufolge kein Kampf, kein Krieg, wie es dem fast in allen Lehrbüchern ist, so ist es nicht. Die Polemik ist der Streit im Sinne von „eris“. Er sagt selbst dazu: „Das Wort POLEMOS, mit dem das Fragment beginnt, bedeutet nicht den Krieg, sondern dasselbe, was das Wort ERIS bedeutet, das Heraklit in derselben Bedeutung benutzt. Dies bedeutet jedoch den Streit – aber einen Streit nicht als Gewaltanwendung und Unterdrückung des Gegners – sondern als gegenseitige Auseinandersetzung so, dass darin das Wesen derjenigen, die streiten, dem anderen ausgeliefert wird, und so zeigt sie sich und erscheint, also griechisch: geht in die Unverborgenheit und Wahrheit über.“ (Heidegger 1996: 64)

Es geht also um das Gegenstellen, das gleichzeitig ein Streit ist. Und dies ist eben diese Spannung der streitenden Gegensätze, die die Unverborgenheit zeigt (phänomenalisiert), d. h. die Wahrheit selbst. Deswegen ist der Dialog ein Ort der Wahrheit. Das klassische Drama mit seiner Gliederung in die Exposition, Kollision, Krise, Peripetie und Katastrophe öffnet im Grunde genommen diese Noese, in der zur Unverborgenheit, in der Wende, d. h. in der Peripetie kommt. Olympische Spiele machen eigentlich dasselbe, sie bringen einen Streit, indem sich das zeigt, was die Gegensätze übersteigt, was ihnen den Sinn aus der Sicht einer höheren Einheit verleiht. Agon muss ein Streit sein, um die Wahrheit zu zeigen.

Beim Tod von Patroklos bot Achilleus seinen Soldaten die Möglichkeit die Unverborgenheit der Ehre seines Freundes nur und nur damit zu erleben, dass er sie ließ, agon – den Streit in einem Rennen zu erleben, in dem die Ehre von Patroklos nicht nur erkannt werden konnte, sondern auch in der einzigartigen Reinheit erlebt werden konnte. Der Streit hat nämlich einen Vorteil, den man anderswo nicht finden würde, der Streit lässt nämlich die Wahrheit in ihrer ursprünglichen Evidenz zu erleben, in Reinheit, die nicht nur so in der normalen Lebens und Alltagserfahrung erfassbar ist. Deswegen ist logos eine besondere Art des Gegensatzes, es handelt sich um einen solchen Gegensatz, der die Evidenz der Wahrheit selbst bringt.

Von der Fuge zu wissen, die zwischen diesen Gegensätzen ist, ist sehr schwer. Es ist die Fuge, die zwischen dem Wesen und den Dasein ist. Und es ist eben diese Fuge, die das Wesen selbst ist. Diese Fuge verbindet alle Dasein zusammen, in ein einfaches „Ein“. Dir Ursache dieser Möglichkeit ist das Wesen selbst, das als diese Fuge gedacht wird, deswegen kann Heidegger behaupten: „Der LOGOS ist PANTÓN KECHORISMENON.“ (Heidegger 1979: 352) Alles ist das Eine. „Verbindungen: ganze und nicht ganze, übereinstimmende und nicht übereinstimmende, gleich und nicht gleich klingende, und aus allem ist das Eine und aus dem Einen alles.“ (Pseudo-Aristoteles, De mundo. 5, 396 b 20 (1–4). Svoboda üb. 1989: 54)

Die Fugen zu denken, die nicht im Raum und in der Zeit sind, das ist die Heideggersche Auffassung der Einheit der Gegensätze im Heraklits logos. Wie kann man von dieser Fuge wissen? Wie ist es möglich, sich ihr zu nähern? „EPISTASTAI“ bedeutet „davor stehen“. Wie ist „dieses“ im Falle dieser Fuge denkbar? Es ist nicht im Raum und in der Zeit, und trotzdem ist es! Die Fuge ist eine Fuge und gleichzeitig das Sein. Auf das Wesen kann nicht die Hand legen, „GIGANTOMACHIA PERI TÉS USIAS“ ergreift Ernest wie schon vielmals die Macht. Das große denkbare Ein ist denkbar nur bei dieser „Fügung“ von Seienden in ein Ganzes, das kein margo hat.

Die Seele soll ein solches Ein, ein Metallkristall, eine Einfachheit mit genauen Grenzen, eine trockene und genaue Seele sein. Die Verschwommenheit gehört dazu nicht. Die Unbestimmtheit gehört dazu nicht, dann ist der Mensch bei sich selbst im Sinne von Platons Sokrates aus Gorgias, siehe oben. Die Seele kann ihre Innerlichkeit, Besinnung, ihren eigenen Inhalt, der aus dem Leben das Geschenk macht, gewinnen. Patoèka würde die Seele folgenderweise präzisieren: „Sie erhielt die Innerlichkeit, und der Mensch ist deswegen eben er selbst geworden.“ (Patoèka 1988: 238) Eben diese Bewegung soll der Psychotherapeut bei seinem Klienten anregen. Die Innerlichkeit ist aber nichts anders als logos, d. h. das ursprüngliche Besinnen, das nur einem Menschen, keinem anderen eigen ist. Immer geht es um einen einzigartigen logos, der auf Leibnizsche Weise, d. h. mit der Gültigkeit des absoluten Unterschieds, die Unwiederholbarkeit des seelischen Wesens des einzigartigen und unwiederholbaren Menschen konstituiert.

Die Fuge verbindet das, was das Anwesende ist, damit, was das Abwesende ist. Die Fuge ist das Wesen selbst, sie ist unvorstellbar, deswegen ist die Erkenntnis des Wesens immer ein Sprung, ein plötzliches Einblicken, eine Einsicht. Hier geht es um keinen methodischen Weg der allmählichen Schritte, hier ist es notwendig zu wissen, was die Einsicht ist. Und wie aus Patoèkas Betrachtungen bekannt ist, wurde das geistliche Europa auf dieser Einsicht konstituiert. „Der Weg ins Sein zeigte sich zunächst als ein Sprung, dieser hatte jedoch den Sinn eines Erreichens des Grundes.“ (Patoèka 1988: 239)

Logos in der Seele ist ein „einholendes Ausholen“, sagt Heidegger. „Dem einholenden Ausholen eignet ein Sammeln aus ihm selbst her sich bereichernd.“ (Heidegger 1979: 354) Das, war sich in der Seele selbständig macht, bestimmt als einen eigenen und persönlichen Lebenserlös, das alles widerspiegelt sich in den Taten und Haltungen des gegebenen Menschen. Nichts verbirgt sich, alles zeigt sich, alles phänomenalisiert sich. Wir brauchen nicht zu wissen, was der andere neben uns verbirgt, wenn wir begreifen, dass er etwas verbirgt, und eben dieses Verbergen zeigt sich immer, und zwar ohne dass der Verbergende davon wissen würde. Bei einer weiteren Beobachtung und beim Nachdenken über diese Beobachtung stellen wir auch das, was er verbirgt, fest, auch wenn nur in der ersten Approximation, ohne apodiktische Sicherheit.

Es ist ein Irrtum, zu meinen, wir werden das ganze Leben lang Theater spielen und niemand wird darüber wissen. Diese Überzeugung über die Möglichkeit eines solchen Theaters ist eben ein Zeichen eines bestimmten Missverständnisses des logos, der das Wesen der Seele und des Lebens im Komplex ist. Darin besteht das Geheimnis des griechischen logos. Deswegen wiederholen die Philosophen so oft den bekannten Satz aus Hegel und von weiteren davon, dass der größte Fehler ist, den Irrtum so mächtig zu fürchten, dass wir nichts machen, um den Irrtum zu meiden. Aber nichts zu machen ist ein viel schlimmerer Irrtum als das zu gestehen, dass wir Fehler machen. Keine Fehler zu machen, geht auch bei dem besten Willen nicht, und dies ist die Grundlage des Verständnisses. Fehler machen muss im Leben des Menschen als das Ausholen von Formen verstanden werden, und zwar der besten. Wir sind keine Maschinen und können auch keine Maschinen sein.

„Legein“ ist das Besinnen der Gegensätze durch die Fuge. Die Gegensätze sind die „Anwesung“ und die „Abwesung“, die Fuge ist das Wesen selbst. Diese Verflechtung macht die Welt zu einem einfachen „Ein“. Und unsere menschliche Seele kann davon nicht wissen, darin ist ihre Würde, Ehrwürdigkeit, eine gewisse Göttlichkeit. Deswegen kann Blaise Pascal diese Worte sagen: „Der Mensch ist nur ein Rohr, das schwächste, was die Natur züchtet, aber er ist ein denkendes Rohr. Wenn es darum gehen würde, ihn zu zerquetschen, es wäre nicht notwendig, dass das ganze Weltall zur Waffe greift, ihn kann ein Tropfen Dampf, ein Tropfen Wasser töten. Aber wenn ihn das Weltall wirklich zerdrücken würde, auch dann wäre der Mensch edeler als ein Faktor, weil er wüsste, dass er stirbt und er würde verstehen, was für einen Vorteil das Weltall im Vergleich mit ihm hat. Und das Weltall weiß nichts davon. Unsere gesamte Würde besteht also im Denken. Darin müssen wir uns erheben, nicht im Raum und in der Zeit, die wir nicht erfüllen können. Lieben wir also, um richtig zu denken: denn darin ist das Prinzip der Sittlichkeit.“ (Pascal 1973: 46–47)

Das Besinnen des logos in unserer Seele geschieht nicht durch die Addition, das Hinzufügen weiterer und weiterer Dasein, sondern durch das Auftauchen dessen, was das „Anwesende“ davon ist, was das Abwesende ist. Und das kann man nur und nur damit überwinden, dass man die Fuge passiert. Die Fuge ist das Wesen, deswegen muss jede Entdeckung eine Einsicht, ein Blitz, ein plötzliches Auftauchen der Lösung sein. Dies ist ohne Neubauersche „aha!“ unmöglich. Die Entdeckung betrifft die Ähnlichkeit, nicht die Form. Die Form entsteht durch das Besinnen auf eine mechanische Weise, d. h. durch das Rechnen auf eine geometrische Weise. Aber das Besinnen des ursprünglichen logos – des Heraklitischen und Heideggerschen – muss das Sein selbst passieren, und dies kann methodologisch nicht erfasst, beschrieben und fixiert werden. Deswegen ist nach Husserls Meinung die Entdeckung eine Mischung von Intuition und Methode, deswegen schreibt Heidegger soviel über die Notwendigkeit der Approximation zum Wesen selbst, deswegen schreibt Patoèka über die Notwendigkeit des Verstehens des Ganzen, das nicht die Summe seiner Teile ist.

Die Seele des anderen kann man nicht auf eine einfache Weise erkennen, es geht nicht einmal bei unserer eigenen Seele. Warum? Die Seele hat keine Grenzen, sie ist irgendwie alles, wir finden nicht ihren Boden. Deswegen braucht die Psychologie die Philosophie, und zwar vor allem die phänomenologische Philosophie. Die Seele kann nicht ein Gegenstand sein, sie ist nicht kartesianisch erfassbar. Deswegen kann ihr nur bei ihrer eigenen Bewegung begegnen. Ihre Bewegung ist das Sichbesinnen (legein). „Legein“ ist für das Aufdecken des Unverdeckten (ALÉTHEIA) notwendig. Das, was unverdeckt ist, ist das „Anwesende“, es ist das „sich Zeigende“, es ist nicht versteckt.

Und so ist logos das Wichtigste für die Möglichkeit der Wahrheit, für die Unverdecktheit. Das Unverdeckte zeigt von sich selbst, aber es ist notwendig, die Unverdecktheit aus der Verhüllung, der Versteckung auszuholen. Diese Bewegung ist die Bewegung der Seele, deswegen spielt die Seele in unserer Welt die wichtigste Rolle, nämlich sie besinnt sich dessen, was sonst in der Gestalt des endlosen Chaos verschwinden würde. Die Seele ist eine Gegenkraft gegenüber der Dissipation, der Entropie, der Nichtigkeit. Deswegen ist bei Platon die Seele ein Bestandteil des Kosmos bei polis. Sie ist nicht nur das Eigentum des gegebenen Menschen, sondern gehört mit einem Bestandteil der Unsterblichkeit und dem Kosmos als dem Ganzen. Deswegen ist in Patoèkas „Pflege der Seele“ so oft die Rede über das Ganze als das grundlegende areté (Patoèka 1996: 33). Die Seele und logos gehören wesentlich zueinander. Sie haben die Funktion nicht nur für das Erkennen des Menschen (Demokritsche Auffassung der Pflege der Seele), sondern auch für den Kosmos als das Ganze (Platonische Auffassung der Pflege der Seele).

Der Weg von logos ist eine Bewegung in der Gegensätzlichkeit der „Anwesung“ und der „Abwesung“, zwischen denen eine Fuge des Wesens ist. Diese Fuge ist nur denkbar, man kann sie sich nicht vorstellen, weil es sich um eine gleichzeitige Gegensätzlichkeit handelt, keine sukzessive Gegensätzlichkeit. Deswegen ist der Einblick, die Einsicht der einzige Zugang zum Wesen des logos. Diese Gegensätze kann man als das Aufgehen durch das Eingehen verstehen, das wiederum gleichzeitig, nicht nacheinander geschieht, und dies ist FYSIS. Alles Aufgegangene ist gleichzeitig Eingehen, und so entsteht die ursprüngliche Einheit des logos. Das Unverdeckte ist die Wahrheit, und darum geht es uns am meisten.

Deswegen ist eine wissenschaftliche Vertiefung in die Zellenstruktur eine gleichzeitige Verhüllung des Ganzen, in dem sich diese Strukturen befinden. Aber nur auf dem Hintergrund dieses Ganzen kann man diese Zellenstrukturen erblicken. Also jede Enthüllung ist gleichzeitig eine Verhüllung, und zwar ohne dass man davon ausgesprochen (aber auch unausgesprochen) weiß. Aus dem Grund wahrhaft zu denken ist nur und nur entsprechend dem Maß von logos möglich, d. h. KATA FYSIN. Und dies meinte Heraklit und Heidegger auch. Zu den Sachen versagen ist nichts anderes als dieses „kata fysin denken“! Es gibt hier nur ein Problem, die Hunde bellen darauf, was sie nicht verstehen!

THEOREIN ist deswegen das Folgen dem logos, dessen Maß. Und die Seele ist dieses Feuer, das entsprechend dem Maß von logos brennt, deswegen ist eine trockene Seele die beste Seele und eine nasse Seele ist voll von Verschwommenheit und Unbestimmtheit, die aus dem Leben Sandbanken auf dem Mond machen.

Heidegger sagt dazu sehr treffend: „LOGOS ALÉTHÉS bedeutet nicht, wie es dem Wortlaut nach scheinen möchte, die unverborgene Aussage, sondern die entbergende, wahre, die als diese sehr wohl verborgen sein kann und nicht unverborgen zu sein braucht.“ (Heidegger 1982: 49) Dieser Gedanke ist deswegen wichtig, dass er auf die Bedeutung von „legein“ hinweist, im Sinne des ursprünglichen „Sichbesinnens“, d. h. er weist auf die gleichzeitige Gegensätzlichkeit des logos hin.

„Verstecken ist die ursprüngliche Versammlung.“ (Heidegger 1979: 379) Aber die ursprüngliche „Versammlung“ ist logos. Deswegen ist die Seele verborgen, deswegen ist sie nicht „clare et distincte“. Und alle, die sie auf die Oberfläche tragen und sie mit dem „Polizeilicht der Sicherheit“ beleuchten wollen, sind enttäuscht, die Seele ist ein unwissenschaftliches Problem. Aber sie muss das Sichbesinnen vollständig von allem in ein einfaches „Ein“ machen, in ein einfaches Wesen, d. h. ihre Kreise müssen alles durchdringen, auch die am meisten entfernten Sterne des Weltalls. Das Sichbesinnen – also „legein“ kann nicht eine Eigenschaft einer Maschine sein, weil sich die Maschine selbst Einschränkungen liefert, über die sie nicht hinausgehen kann. Die Seele kann nicht mit dem Gehirn identisch sein, weil „legein“ versteckt ist, das Gehirn nicht. Die Verstecktheit von „legein“ ist durch die Fuge gegründet, die das Wesen ist, d. h. etwas, was weder im Raum, noch in der Zeit nicht ist, was Nichtigkeit ist, was nichts ist.

In der Nichtigkeit sind alle Formen und Möglichkeiten enthalten, aber dieses Nichts ist Patoèkasche und Heideggersche Nichts. Es ist etwas! Nur durch das Verweilen in der ursprünglichen Nichtigkeit kann es eine Gestalt gebären, kann überhaupt etwas aus dem vollständigen Anfang „gebären“, nur hier ist das ursprüngliche Schaffen möglicht. Deswegen wollten alle ursprünglichen Denker zum Beginn, zur Reinheit, zur trockenen Seele kommen. Deswegen gilt folgendes: „Nüchternde Seele ist die Wissendste und also auch die edelmütigste.“ (Heidegger 1979: 394) Die edle Seele ist die, die die Einfachheit des logos in sich hat, und dies ist die Nüchternheit, Trockenheit, ruhige Macht. Heidegger würde es folgenderweise präzisieren: „Die nüchternde Seele ist die rein gestimmte, durch die Stimme des LOGOS auf den sie hört.“ (Heidegger 1979: 395) Es ist also notwendig, zuzuhören, aber dem Richtigen zuzuhören.

Und dies ist sehr schwierig. Um logos zu hören, müssen wir selbst rein sein, d. h. unsere Seele muss trocken sein. Die nasse Seele ist eine verschwommene Seele, die von einer Stelle zur anderen übergegossen wird, sie bleibt nirgendwo mit Bestimmtheit, ist unwahrhaft, ambivalent, ist unbeständig, neugierig und wortreich. Die Verschwommenheit ist ihr wichtigstes Stigma. Sich der eigenen Verschwommenheit bewusst zu werden ist nichts anderes als über das eigene Unwissen zu wissen. Dies ist die erste Stufe bei der Beseitigung dieser Verschwommenheit, und das ist gleichzeitig die Sokratische Haltung beim Erkennen von sich selbst sowie der Welt. Von diesem Punkt zu beginnen ist die Lebensaufgabe jedes von uns. Das ist der Anfang der Pflege der Seele, der Pflege dessen, was in uns aus Platons Sicht unsterblich ist. Alles ist das Eine, erklingen Heraklits Worte in unserem Gemüt. Wir kehren alle in dieses „einfache Nichts“ sowieso nach dem Tod zurück und werden dort in der Verdecktheit weilen, die das vollkommenste Sichbesinnen überhaupt ist, wie kehren in das einfache Seyn zurück.

„Das Lesen ist Retten,“ (Heidegger 1979: 398) das Sichbesinnen ist die Rettung. Wir können bei sich selbst sein, falls wir uns nicht zersplitterten, falls wir nicht in viele Welten, Orte, Zeiten, Gültigkeiten, Urteile etc. dissipieren. Die Rückkehr zu sich selbst ist die Rückkehr nach Hause, deswegen hat Sokrates eine solche Angst vor dem Streit mit sich selbst. Jedes Wort ist das Sichbesinnen, jede menschliche Seele ist der Kampf gegen das Anwachsen der Verworrenheit im Weltall. Die Seele ist das „Negentropische“ in dieser Welt. Pierre Teilhard de Chardin hatte Recht, gleichzeitig hatte auch Heidegger Recht, wenn er dachte, dass der Mensch der Ort der Wahrheit des Wesens ist. Deswegen ist die trockene Seele der Seele eigen, die aus dem Halbschlaf des Gemüts erwachte, deshalb ist der Schritt aus dem Mythos ein Schritt in die Klarheit. Deswegen kann Heidegger Heraklits Worte wiederholen: „Für den Menschen selbst ist es notwendig, wissend zu denken.“ (Heidegger 1979: 399) „Wissend zu denken“ bedeutet den Mut zu haben, von den Sachen selbst anzufangen, zuzuhören, sich von der Macht durchdringen zu lassen, die uns nicht gehört, vor der wir in Verwunderung in heiliger Hochachtung stehen bleiben.

„Wissend zu denken“ bedeutet „Hirt der Gedanken zu sein“. Für die Hirten gilt jedoch folgendes: „Der Hirt sammelt die Herde. Die Herde ist kein zusammengeratener Haufen und der Hirt ist kein Polizist.“ (Heidegger 1979: 398) Der Hirt muss sich dem unterordnen, was seine Herde will, und trotzdem ist es notwendig, die Herde zu leiten. Es gibt hier beides, und das „Beide“ ist eigentlich gegensätzlich. Etwas zeigt sich, taucht auf und gleichzeitig muss sich etwas dank dessen verstecken. Die Herde ist kein Aggregat von Tieren. Der Hirt muss sich der Natur der Herde unterordnen. Dieses „legein“ ist keine mechanische Addition. Wenn es dem so wäre, dann wäre der Hirt nur und nur Polizist.

Damit, dass der Mensch der Hirt der Gedanken ist, zeigt sich die Unverborgenheit. Damit, dass man das Unverborgene benannt, rettet man dann das Unverborgene vor dem „Sturz ins apeiron – die Ununterscheidbarkeit“. Der Mensch hat hier eine kosmische Aufgabe, Funktion. Er rettet die Unverstecktheit von Sein, er ist der Ort der Wahrheit. Was für ein komischer Gedanke? Denn Dutzende von Anthropologien erfassen den Menschen als ein biologisches, soziales Wesen, aber niemand sprach das aus, worauf schon längst die Griechen kamen. „Die griechischen Denker sprechen davon, dass ihr Denken ein SOZEIN TA FAINOMENA, ein Retten dessen ist, was sich zeigt. Das Sichzeigende meint hier: das von sich aus Anwesende und als Anwesendes in das Unverborgene Aufgehende und Aufgegangene. Dieses Retten nämlich in Denken, besagt: das Sichzeigende einbringen, sammeln in die Unverborgenheit, damit es in ihr für alle Fälle vorrätig sei. Dieses Retten ist ein Sammeln, ein Lesen, LEGEIN, nämlich TA ALÉTHEIA einbringen das Unverborgene in die Unverborgenheit.“ (Heidegger 1979: 398) Der Mensch rettet Dasein und Wesen damit, dass er imstande ist, sich in die Unverborgenheit zu besinnen. Das ist eigentlich logos!

Wie rettet der Mensch die Dasein? Er rettet sie damit, dass eben er – der Mensch der Ort der Wahrheit ist. Die Unverborgenheit (alétheia) bringt das Sichbesinnen im Sinne von „legein“, deshalb gehören logos und Unverborgenheit wesentlich zueinander. Das Sichbesinnen der Unverborgenheit fordert jedoch eine besondere Neigung. Wenn der Mensch zu diesem Besinnen allzu schnell „neigt“ oder diesem Besinnen sein eigenes Schema aufzwingt, dann erreicht er es nicht und ist nicht der Ort der Wahrheit, dann ist er nur der Ort der Voluntativität, die in ihm selbst allzu viel zusammengetragen hat und einen falschen logos diktiert. Eine solche falsche Neigung zur „menschlichen Seele“ ist vor allem die Auffassung des Menschen als eines Subjekts. Dann neigen wir zum Besinnen immer nur und nur als zum Objekt, und damit fälschen wir die Wahrhaftigkeit des anderen Menschen, einschließlich von uns selbst. Das Verbergen und Überdecken als eine Art des falschen Besinnens hat manchmal die Eigenschaften, dass es selbst überdeckt ist. Dann sind wir jedoch machtlos, es fehlt uns das Zeichen, es fehlt die Andeutung, die uns bei unserer Suche richtig orientieren würde. Und das ist eben unsere heutige Lage.

„Das LEGEIN ist ursprünglich das Schweigen. Der LOGOS ist nicht das Wort.“ (Heidegger 1979: 383) Das bedeutet eigentlich nur das Einzige. Für die Sprache ist das Schweigen konstitutiv. Schweigen kann nur derjenige, der verstanden hat, der weiß, wer die Welt verteilen kann. Der Stein schweigt nicht, weil er es nicht kann. Nur derjenige, der „ver-steht“, kann schweigen. Deswegen ist das Schweigen eigentlich das Antworten. So schwieg Spinoza, so schwieg Heidegger, so schweigen Havel und viele andere, von denen wir nicht wissen. Das Schweigen der Toten ist sehr überzeugend, man läuft von dieser Sondersprache nicht weg. Und dies ist gut. Logos ist nicht nur das Wort und die Sprache, er ist auch die Verteilung, das Verstehen. Deshalb ist der Mensch ein verstehendes und zuhörendes Wesen (ZOÓN LOGON ECHON). Eben das Schweigen ist die andere Seite des Dialogs für Dichter und Philosophen. Mit wem spricht Hölderlin? Mit wem spricht Rilke? Das Schweigen wird durch Worte durchbrochen.

Das Wesen ist ein Wort, das für die Philosophie die wichtigste Bedeutung hat, es ist nämlich ein Wort, in dem alles enthalten ist, d. h. es ist am meisten logos. Das höchste Sichbesinnen befindet sich im Begriff des Wesens. Aus dem Grund ist sehr wichtig das, was dieses Wort bedeutet. In der Geschichte der Philosophie war es fysis (FYSIS), idea (IDEA), usia (USIA), energeia (ENERGEIA). Aber in der Neuzeit wird das Wesen im Subjekt besonnen, zuerst in seiner Vernunft (Descartes, Spinoza, Leibniz usw.), später in seinem Willen (Schopenhauer, Nietzsche u. a.). Der Subjektivismus von diesem Charakter führt dann notwendig zur Inauguration des postmodernen Relativismus, zu leistungsmäßig aufgefassten Arbeitsleben der einzelnen Menschen sowie der ganzen Kommunitäten, einschließlich der Staaten und der Staatenbündnisse, der verschiedenen ökonomischen und politischen Gruppierungen.

Was bedeutet es für die Psychotherapie, für die Psychik? Der Subjektivismus, der von Masaryk und von vielen anderen Philosophen und Soziologen so stark kritisiert wurde, ist eigentlich ein „Kind“ des neuzeitigen Bedarfs an Sicherheit. Dieser Bedarf konstituierte sich in der Sicherheit des kartesianischen „Cogito, ergo sum!“ und im Bedarf dessen, was „clare et distincte“ ist. Mit der Verwandlung der Unverborgenheit (alétheia) in Sicherheit (certitudo) ist das Subjekt als die beste Lösungsmöglichkeit „hervorgegangen“. Nur heute ist dieses Subjekt verwickelt, verloren, und zwar eben in seinem ursprünglichen Bedarf, im Bedarf an Sicherheit. Das Wesen und die Subjektivität in ihrer voluntas – das ist unser Problem.

Im Denken wurde nur das wichtig, was „clare et distincte“ ist, d. h., was vorstellbar ist, damit auch das, was gegen-ständlich ist. Mit dieser Position hängt die Rolle der Vorstellungen im Sinne von „representatio“ zusammen. Damit hängt dann die Rolle von „mimesis“ (der Nachahmung) in der heutigen Zeit zusammen. Nachgeahmt wird nur das Äußere, Formale, Erscheinende und Kontrollierbare. Die Herrschaft der Form, oft geistlosen Form, erstreckt sich wie unsere einzige Tatsache. Wir spielen auch die echte Realität (Reality show). „Fast alle ahmen fast alle nach!“ Nach der Ursprünglichkeit sucht man nur schwierig, und zwar nicht nur in der Kunst, sondern vor allem im Alltagsleben. Die Schauspieler werden zu den besten Politikern und die Politiker werden schnell zu leistungsfähigen Schauspielern.

„Wir unternehmen Jagden auf Sein“ genauso wie wir es mit den Tieren im Wald oder auf dem Feld machen. Die Sein werden „verfolgt“. Sie werden vor den Gerichtsstuhl ihrer Anwendbarkeit und Ausnutzbarkeit „geschleppt“. Ein einzigartiges Beispiel dessen bietet die Redundanz der Funktionen im Computer, die sich oft nicht einmal ihr Schöpfer selbst merkt und sich sehr mühsam an die Reihenfolge der einzelnen Schritte erinnern muss, die ihn dazu, was er sucht, führen. Die Redundanz ist fast überall sichtbar, vor allem in den Informationen. Heidegger würde dazu nur bemerken: „Sein als Wille west, …“ (Heidegger 1979: 386)

 

SEZNAM LITERATURY

 

Heidegger, M., Die Grundbegriffe der Metaphysik. Frankfurt am Main: Vittorio Klostermann 1983.

Heidegger, M., Heraklit. Frankfurt am Main: Vittorio Klostermann 1979.

Heidegger, M., Parmenides. Frankfurt am Main: Vittorio Klostermann 1982.

Heidegger, M., Skuteènosti a myšlenky. Filosofický èasopis, roè. XLIV, 1996, è. 1, s. 59–74.

kol., Zlomky pøedsokratovských myslitelù. Praha: SPN 1989.

Pascal, B., Myšlenky. Praha: Odeon 1973.

Patoèka, J., Péèe o duši I. Praha: Oikúmené 1996.

Patoèka, J., Péèe o duši. Sv. III. Praha: 1988, samizdat.

Platon, Gorgias. Praha: J. Laichter 1944.

Prach, V., Øecko–èeský slovník. Praha: Vyšehrad 1998.

(Prof. PhDr. Anna Hogenová, CSc., filosofka, zabývá se pøedevším fenomenologickou problematikou. Pùsobí na KOVF UK PedF a je vedoucí Katedry filosofie na UK HTF.)


 
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